Meine Winterbeschäftigung …

05. Januar 2015

… die sich dann doch durch das ganze Jahr zieht.

Im Winter sind meine Paddelaktivitäten fast Null, da ich in der Zeit nicht gerne ins Boot steige. Dafür gibt es natürlich allerhand anderes zu erledigen. Die vielen Bilder aus dem Urlaub wollen gesichtet und bearbeitet werden, außerdem sollen sie für 2 verschiedene Vorträge vorzeigereif gemacht werden. Es ist ganz schön schwierig, eine fast 4-monatige Reise in einem Abend zu erzählen ohne dass die Zuschauer überfordert werden.

Ja, und dann trieb mich ein anderes Thema schon die ganze Zeit um: ich wollte die Erfahrungen, die ich beim Bau meines ersten Skin on Frame-Kajaks gemacht habe unbedingt noch einmal anwenden.

im SOF-Kajak auf dem neckar bei Ilvesheim

im SOF-Kajak auf dem Neckar bei Ilvesheim

Dazu habe ich den Riss des ersten Kajaks so verändert, dass Bug- und Heckspitzen höher werden und der Kiel mehr Sprung bekommt. Die Gesamtmaße werden ähnlich wie beim ersten, ca. 530 x 55 cm. Die Spanten werden dieses Mal aus Escheleisten gebogen die ich mir aus einem Stamm herausspalte. Das Holz liegt bereits im Garten und beim Süllrandbau hatte ich ja festgetellt, das ich das Dampfbiegen beherrsche.

Die ersten Arbeiten sind erledigt, ich habe wieder aus Rauspund (nordische Fichte) die Dollbords (Gunwales) und Senten (Stringer) herausgesägt und in Form gebracht. Die Nuten für die Spanten sind gebohrt und ausgestemmt und die Bug- und Heckformen sind ausgeschnitten. Nun müssen noch die Schäftungen hergestellt werden, denn länger als 2,70 m lange Bretter kann ich in meinem Keller nicht sägen.

die Leisten sind gesägt

die Leisten sind gesägt

 

zuerst bohren, dann ausstemmen

zuerst bohren, dann ausstemmen

 

der Spant muss bis zum Strich hinein

der Spant muss bis zum Strich hinein

 

so, jetzt passt der Spant

so, jetzt passt der Spant

 

die Stevenform wird vorgegeben

die Stevenform wird vorgegeben

 

die Form wird agepasst

die Form wird angepasst

 

aus einem Eschestamm werden Leisten gespaltet

aus einem Eschestamm werden Leisten gespaltet

 

daraus werden nun die Leisten geschnitten

daraus werden nun die Leisten geschnitten

Inzwischen bin ich in unser Bootshaus umgezogen, denn zu Hause könnte ich nur im Freien arbeiten, was aber momentan nicht  besonders gut geht. Sämtliche Längsleisten sind nun angeschäftet und wasserfest verleimt, nun kann ich mit der Formgebung des Kajaks beginnen.

in der Bootshalle habe ich nun Platz genug für die langen Teile

in der Bootshalle habe ich nun Platz genug für die langen Teile

 

die Gunwales werden an Bug und Heck fixiert, dann wird die Bootsform durch die Querleisten gestaltet

die Gunwales werden an Bug und Heck fixiert, dann wird die Bootsform durch die Querleisten gestaltet

 

der "Masik" gestaltet das Deck im Vorschiff

der „Masik“ gestaltet das Deck im Vorschiff

 

die Verbindungen werden nur mit Kunstsehnen gebunden, es gibt keine Nägel oder Schrauben im Holzgerüst

die Verbindungen werden nur mit Kunstsehnen gebunden, es gibt keine Nägel oder Schrauben im Holzgerüst

 

die Bootsform ist in Grundzügen gestaltet

die Bootsform ist in Grundzügen gestaltet

 

nun werden die Bug- und Hecksteven angebracht, die die Auflage für die Kielleiste bilden

nun werden die Bug- und Hecksteven angebracht, die die Auflage für die Kielleiste bilden

Nun ist die Form des Kajaks so ziemlich festgelegt. Die Höhenmaße können jetzt nur noch durch Veränderung der Steven geändert werden. Inzwischen sind wir aus dem Urlaub zurück und die Wetterlage ist gut, daher wird das Gerüst in unseren Garten verlagert. Nun kommen viele Kleinarbeiten, für die ich nicht immer ins Bootshaus fahren möchte.

mein "Dampfrohr"

mein „Dampfrohr“

In diesem „Dampfrohr“ werden die Escheleisten so lange gedämpft bis sie biegsam genug sind. Es besteht aus einem elektrisch beheizten Wasserkocher, aus dem der Dampf in die zusammengesteckten grauen Rohre geleitet wird. Vorsicht bei der Arbeit damit: Verbrühungsgefahr!

Die gedämpften Leisten werden nun über die links vorne angebrachte Schablone gebogen und dann in die Nuten der Gunwales gesteckt. Es hört sich leichter an als es ist. Da bei meinen Leisten die Faserrichtung nicht immer ideal verlief hatte ich ca. 50 % Ausschuss durch gebrochene Leisten.

die gebrochenen Spanten mussten natürlich nochmals angefertigt werden

die gebrochenen Spanten mussten natürlich nochmals angefertigt werden

 

schon wieder ein Materialfehler

ein kleiner Materialfehler kann akzeptiert werden

 

IMG_20150708_164247 (2)

die ersten Spanten sind eingesetzt

die ersten Spanten sind eingesetzt

 

IMG_20150708_164247 (2)

Nachdem die Spanten dann endgültig fertig waren wurden sie zuerst mit der Kielleiste verbunden. Danach wurden die Stringer (Senten) genau symmetrisch fixiert und mittels Säge und Hobel an die Steven angepasst und auch dort fixiert. Nun konnte ich die Spanten mit den Stringern verbinden, was ebenso wie bei den anderen Verbindungen mit der gewachsten Kunstsehne in einer besonderen Bindetechnik geschah.

das Gerippe nimmt lansam Form an

das Gerippe nimmt langsam Form an

Nachdem das Gerippe langsam aber sicher seine endgültige Form annahm konnte ich in meinem Keller wieder ans  Holz biegen gehen. Den Süllrand stellte ich dieses Mal aus einer 10 mm dicken und 30 mm breiten Buchenleiste her. Sie ließ sich selbst über den engen Radius der Süllrandspitze nach langem dämpfen recht gut biegen und wurde dann seitlich geschäftet und mit PU-Holzleim verleimt. Den Süllrandwulst fertigte ich aus 10×9 mm Buche an, dämpfte ihn und verleimte ihn anschließend ebenfalls mit PU-Leim. Dann folgte viel Schleifarbeit und zum Schluss brachte ich die 82 Bohrungen an, die später zum vernähen mit der Deckhaut benötigt werden.

inzwischen ist auch der Süllrand fertig und mit 82 Bohrungen versehen

inzwischen ist auch der Süllrand fertig und mit 82 Bohrungen versehen

 

das Gerippe ist nun fast fertig

das Gerippe ist nun fast fertig

 

nun sind nur noch Feinarbeiten notwendig

nun sind nur noch Feinarbeiten notwendig

Mit Hobel und Schleifpapier werden nun die Flächen geglättet und die Konturen in Form gebracht. Aus dünnem Multiplex-Sperrholz habe ich noch eine Sitzfläche und die Ablage für die Füße angebracht und natürlich auch wieder nur eingebunden. Zuletzt wurde das ganze Gerippe mit Holzöl behandelt damit es feuchtigkeitsunempfindlich bleibt und nicht vorzeitig verottet. Nun fehlt nur noch der Bezug aus Ballistic-Nylon. Das Material konnte ich dieses Mal sogar in Deutschland als Rollenware kaufen, das Beschichtungsmaterial Coelan, ein PU-Harz habe ich ebenfalls schon zu Hause.

Eigentlich könnte das Boot schon fertig sein, aber das warme bzw. heiße Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Das Bespannungsmaterial soll bei kühlen Temperaturen genäht werden, da es sich dann besser dehnen lässt. Also darf das fertige Gerippe wieder im Bootshaus  ruhen bis es merklich kühler wird.

Das Gerippe wiegt momentan 12 kg, also wird das fertige Kajak wieder 15 kg wiegen. Bei 530 x 55 cm ein angenehmer Wert.